«Mutig gegen Mobbing»
Dieses Werk von Françoise D. Alsaker (2012) bietet einen vollständigen Überblick über die Frage des Mobbings an Schulen und verbindet neue wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischen Stossrichtungen für die Prävention.

 

 
 
 

Bericht zur Prävention von Mobbing: «Refuser l’oppression quotidienne : la prévention du harcèlement à l’école»
Dieser Bericht von Eric Debarbieux (2011) liefert eine forschungsbasierte Zusammenfassung zum Thema, Gespräche mit Fachleuten und Aussagen von Personen, die mit dem Problem des Mobbings konfrontiert wurden.

 
 
 

Mobbing: unsichtbare Gewalt mit bedeutenden Folgen

Mobbing ist eine der geläufigsten Formen von Gewalt an Schulen. Man spricht von Mobbing, wenn Akte wie Drohungen, Anrempeln, lächerliche Spitznamen, Anwerfen von Gegenständen oder Verhöhnung sich unaufhörlich gegen einen Schüler oder eine Schülerin richten, der/die nicht in der Lage ist, sich zu wehren, weil er/sie isoliert, kleiner oder körperlich schwächer ist. In ihrem neuen Werk (vgl. Box) zum Thema ermittelt und erläutert Prof. Françoise Alsaker (2012) verschiedene Schlüsselaspekte des Mobbings: Die Taten sollen den anderen demütigen und entwürdigen. Mobbing unterliegt dem Gesetz des Schweigens. Das Opfer ist oft isoliert. Es empfindet Ohnmacht und Verzweiflung. Mobbing wird von den Tätern oder Täterinnen als lustig empfunden.
Mobbing bleibt für die Schulverantwortlichen oft unsichtbar, aber die Folgen davon sind für die Opfer deutlich spürbar: Angst davor, zur Schule zu gehen, Schwänzen, physische Störungen (Kopf- oder Bauchschmerzen), Symptome einer Depression, die manchmal bis zum Selbstmord führen können.

Die verschiedenen in der Schweiz durchgeführten Studien kommen zum Schluss, dass etwa 6% der Schüler/-innen Opfer von Mobbing in der Schule sind.

 
 
 

Effiziente Programme zur Bekämpfung des Mobbings an den Schulen

Die Metaanalyse von Farrington und Ttofi (2009) zeigt die Effizienz der Programme zur Bekämpfung des Mobbings an den Schulen.
Die intensivsten Programme erwiesen sich als die effizientesten. Zu den Elementen, die zum Erfolg der Programme beitragen, gehören Treffen mit den Eltern, Methoden zur Einführung und Anwendung von Regeln und Normen für das Leben an der Schule sowie Beaufsichtigung der Schulhöfe. Die Peer-Mediation erwies sich dagegen bei dieser Form der Gewalt als kontraproduktiv. Mobbing ist kein Konflikt, und die Beteiligen sind nicht auf Augenhöhe miteinander. Da es beim Mobbing keinen klaren Streitpunkt gibt, ist keine Verhandlung zwischen den Parteien möglich.

In seinem Bericht stellt Eric Debarbieux (2011) vier gemeinsame Merkmale bei den effizienten Programmen fest:

  1. Der Prozess bezieht die gesamte Schule ein und ist als Teamarbeit konzipiert. Das Engagement aller Beteiligten geht deutlich über den Schulalltag hinaus.
  2. Der Prozess ermöglicht die Verankerung der Regeln im Schulalltag.
  3. Eine Lenkungsgruppe betreut und verfolgt den Prozess. Die Umsetzung des Programms unterliegt einer ständigen Qualitätskontrolle.
  4. Die Massnahmen werden langfristig und sehr intensiv umgesetzt.

Er macht ausserdem verschiedene, in 4 Kapitel unterteilte Vorschläge zur Bekämpfung des Mobbings unter Schüler/-innen:

  1. Über Peer-Mobbing informiert sein und es erkennen, informieren und sensibilisieren, Präventionsinstrumente und -programme ermitteln und entwickeln.
  2. Auf die Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte setzen, Vermittler/-innen schulen.
  3. Kollektive Mobilisierung, Hilfeleistungen einbinden und koordinieren, einen individualisierten Interventionsplan erstellen, Eltern und Schüler/-innen einbeziehen.
  4. Bestrafung nach dem Prinzip der ausgleichenden Gerechtigkeit, klare Regeln aufstellen und kommunizieren.
 
 
 

Anti-Mobbing-Programm Be-Prox

 
 

Dieses von der Alsaker-Gruppe für Prävention der Universität Bern koordinierte Programm soll Gewalt, Einschüchterung und Viktimisierung ab dem Kindergarten entgegenwirken. In acht Schulungssitzungen vertiefen die Lehrkräfte ihre Kenntnisse über Mobbing und Cybermobbing. Sie setzen sich mit den Mythen und Stereotypen bezüglich Täter und Opfer auseinander und lernen, erste Anzeichen zu erkennen. Sie befassen sich mit der Frage, wie man dieses Thema in der Klasse behandelt. Schliesslich erarbeiten sie Strategien, um solchen Haltungen vorzubeugen.
Das Programm wird von den Lehrkräften gut aufgenommen. Diejenigen, die in der Interventionsgruppe mitwirken, fühlen sich sicherer, wenn sie mit Fällen von Einschüchterung zu tun haben. Am Ende des Schuljahres ist es mehr Kindern bewusst, dass Einschüchterung verletzend und ungerecht ist. Sie reagieren angemessener auf solche Fälle.
Die Metaanalyse von Farrington und Ttofi zeigt, dass Be-Prox zu den effizientesten Programen zur Bekämpfung von Mobbing gehört.

 
 
 
 

Anti-Mobbing-Programm von Dan Olweus

 
 

Dieses Programm sensibilisiert die schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen für die Probleme des Mobbings und der Gewalt. Es stellt Regeln für Mobbing- und Gewaltprävention an Schulen auf. Es unterstützt und schützt die Opfer.

Auf Schulebene sieht es Folgendes vor:

  • Schaffung von Arbeitsgruppen gegen Schikanen
  • Anonymer Fragebogen zur Lagebeurteilung
  • Schulung des gesamten Schulpersonals
  • Erarbeitung und Anwendung der Schulregeln
  • Aufsichtssitzungen
  • Einbezug der Eltern


Auf Klassenebene:

  • Anwendung der Schulregeln in der Klasse
  • Reflexionssitzungen mit den Schülern/-innen
  • Informationssitzungen mit den Eltern


In Bezug auf den Einzelnen:

  • Intervention bei mobbenden und gewalttätigen Kindern
  • Intervention bei Kindern, die Opfer von Mobbing und Gewalt wurden
  • Gespräche mit allen direkt betroffenen Eltern


Die Auswertung dieses Programms ergibt einen spürbaren Rückgang der Mobbing- und Gewalttaten sowie der Klagen von Opfern. Problematische Verhaltensweisen wie Vandalismus, Diebstahl und Schwänzen nehmen ab.