Ausbildung „Gewalt, Klassenmanagement und Kinderrechte: Interventionsstrategien“ („Violence, gestion de classe et droits de l’enfant: stratégies d’intervention“)
Die an alle Erziehungsfachleute gerichtete Ausbildung soll die Konfliktbewältigungskompetenzen stärken.
Informationen und Anmeldungen

 
 
 

Klassenrat unter der Lupe
In einer wissenschaftlichen Studie im Kanton Aargau und Solothurn wurde die Rolle des Klassenrats für die politische Bildung und die demokratische Diskussionskultur untersucht. Fazit: Die Volksschule schöpft das Potenzial des Instruments Klassenrat nicht voll aus.

 
 
 

Disziplin-Leitfaden
Praktischer und benutzerfreundlicher Leitfaden mit Ratschlägen für die Wahrung der Schuldisziplin. Der Leitfaden beschreibt konkrete Situationen wie Sexismus, Vandalismus, Absenzen und vulgäres Verhalten und schlägt Interventionsmassnahmen und Präventionsstrategien vor.

 
 
 

„Vers une gestion éducative de la classe“ (Pädagogisches Klassenmanagement als Ziel)
Das praktische Klassenmanagement-Handbuch präsentiert verschiedene Spielkonzepte, konkrete Mittel zur Zielerreichung, klar etablierte Verfahren sowie jeweils passende Beispiele für die Primar- und Sekundarschulklassen.

Archambault, J & Chouinard, R. 2003. Vers une gestion éducative de la classe, 2e éd. Boucherville, Québec: G. Morin

 
 
 

Pädagogische Instrumente zur Verbesserung des Klassenmanagements

Lehrkräfte, die mit Problemverhalten in der Klasse konfrontiert sind, können verschiedene Tools einsetzen, um in schwierigen Situationen adäquat zu intervenieren und eine angenehmere Atmosphäre zu schaffen. Die grösste Herausforderung besteht darin, die «Störefriede» in das Klassenmanagement einzubeziehen.  

Die Lehrpersonen sind für die Klasse und für die Schülerinnen und Schüler verantwortlich: Damit verfügen sie über verschiedene Befugnisse, die sie einsetzen können, um für ein angemessenes Arbeitsklima zu sorgen:

  • Bezugskompetenz: Die Lehrperson entwickelt mit den Schülern zusammen ein Beziehungsmodell; dabei ist sie der eigentliche Bezugspunkt.
  • Expertenkompetenz: Die Lehrperson verfügt über fachliches Wissen und pädagogische Kompetenzen für die Vermittlung der Unterrichtsinhalte. 
  • Rechtmässige Befugnisse: Die Lehrperson besitzt aufgrund ihrer Stellung eine gesetzliche Verantwortung und Autorität.
  • Belohnungs- und Bestrafungskompetenz: Die Lehrperson verfügt über Instrumente, um ihre Autorität und die Verhaltensregeln durchzusetzen.
 
 
 

Geeignete Tools einführen

Eine Palette von pädagogischen Möglichkeiten helfen der Lehrperson beim Klassenmanagement: Klassenrat, partizipatives Management, Ritual bei Betreten des Klassenzimmers, Auseinandersetzung mit den Regeln für das Zusammenleben und Aufwertung von adäquaten Verhaltensweisen gehören dazu. Diese Massnahmen fördern eine positive, lernfreundliche Haltung.

Weiterbildungen und Beratungsdienste
In vielen Kantonen können sich die Lehrkräfte mit verschiedenen Instrumenten für die Verbesserung des Klassenmanagements vertraut machen und Weiterbildungs- oder Beratungsangebote wahrnehmen.
Für bestimmte Lehrpersonen mag ein Coaching-Angebot hilfreich sein: Ein externe Fachperson verfolgt einige Unterrichtsstunden als Beobachterin mit und sucht anschliessend mit der Lehrperson nach effizienten Interventionsstrategien. Diese Möglichkeit ist allerdings noch wenig verbreitet.

Die Lehrperson kann mit der eigenen Einstellung den richtigen Umgang mit der Disziplin fördern. Sie muss zeigen, dass sie alles im Auge und die Situation im Griff hat. Dazu kann die Lehrperson Humor einsetzen, sie soll Toleranz und Respekt zeigen und auf das Lerntempo der Lernenden eingehen. Ironische, sarkastische und scharfzüngige Bemerkungen oder eine Laissez-faire-Haltung dagegen sind zu vermeiden.

 
 
 

Bewährte Aktionen und Programme

 
 
 

Klassenrat

 
 

Am Klassenrat nehmen alle Schülerinnen und Schüler der Klasse unter der Supervision der Lehrperson teil. Der Klassenrat ermöglicht es, das Zusammenleben in der Klasse gemeinsam zu gestalten. Diskussionsthemen sind vor allem der Schulalltag, Disziplinprobleme, Verantwortlichkeiten, Spiele, zwischenmenschliche Beziehungen und Klassenprojekte. Die Schülerinnen und Schüler lernen sich kennen, helfen sich gegenseitig und lösen gemeinsam Probleme, ohne einander zu verletzen. Sie diskutieren miteinander und üben sich in Demokratie. Sie suchen nach einem Konsens, stimmen ab und nehmen ihre Verantwortung wahr. So entwickeln die Kinder Werte wie Zusammenarbeit, Gleichheit, Selbstachtung und Respekt vor den andern, Autonomie und Verantwortungsbewusstsein.

Ein Klassenrat ist für Kinder aller Altersgruppen geeignet. Allgemein findet er einmal pro Woche statt und dauert 15 bis 45 Minuten, je nach Teilnehmenden und Themen auf der Tagesordnung.

 
 
 
 

Good Behavior Game (GBG)

 
 

Das auch als „Klassekinderspiel“ bekannte Programm soll aggressives Verhalten in der Klasse reduzieren und die Zusammenarbeit unter den Lernenden fördern. Grundgedanke ist, dass die Kinder sich gegenseitig unterstützen und ein prosoziales Verhalten erlernen.
Dabei gilt folgendes Prinzip: In einer klar definierten Arbeitsphase bildet die Lehrperson Teams mit sozialkompetenten Schülerinnen und Schülern einerseits und verhaltensauffälligen Schülerinnen und Schülern andererseits. Die Lehrperson stellt den Teams, die sich positiv verhalten, Belohnungen in Aussicht. Diese Belohnungen werden zum Schluss der Arbeitsphase verteilt.
Wenn die Kinder die Vorgehensweise begriffen haben, beginnt das Spiel ohne formelle Ankündigung. Die Schüler erhalten eine indirekte Belohnung, z.B. in Form einer zusätzlichen Pause oder ihrer Lieblingsaktivität. Das beste Team erhält den Preis der Woche.

Das Klassekinderspiel hat sich in den Vereinigten Staaten, in den Niederlanden und in Deutschland bewährt. Die Evaluationen zeigen, dass diese Technik Problemverhalten im Unterricht deutlich mildert. Bei als aggressiv geltenden Jungen, die im ersten Primarschuljahr am Programm teilgenommen hatten, waren langfristige Wirkungen nachweisbar: Fünf Jahre später verhielten sie sich weniger aggressiv als die Vergleichsgruppe.