Education familiale
Wie ein niedrigschwelliges Angebot funktionieren kann, zeigt sich beim Programm Familienbegleitung im Kanton Freiburg.

 
 
 

Kinderbetreuung zu Hause
Die Kinderbetreuung zu Hause des Roten Kreuz richtet sich an erwerbstätige Eltern, die nicht wissen, wem sie ihr plötzlich erkranktes Kind anvertrauen sollen oder steht Eltern zur Verfügung, die gesundheitliche Probleme haben oder sich in einer schwierigen Situation befinden.

 
 
 

Wie erreicht Elternbildung sozial benachteiligte und bildungsferne Familien?

Damit Eltern von Präventionsangeboten Gebrauch machen, müssen sie davon Kenntnis haben und motiviert sein, daran teilzunehmen. Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass es viele Barrieren gibt, die hemmend auf eine Teilnahme wirken (vgl. Meidert 2006: Die Erreichbarkeit von Eltern für Präventionsprogramme). Zum Beispiel:

  • Sozioökonomischer Status der Eltern: Eltern mit einem tiefen Haushaltseinkommen melden sich im Vergleich zu Eltern mit höherem Haushaltseinkommen weniger häufig zu Elterntrainingsprogrammen an
  • Migrationshintergrund der Eltern: Angebote sind oft kulturell und sprachlich nicht angepasst. Eine Partizipation ist deutlich wahrscheinlicher, wenn Programme in der jeweiligen Muttersprache vorliegen.
  • Alleinerziehender Eltern: Erfahrungen zeigen, dass alleinerziehende Eltern wegen der doppelten Belastung durch Erziehungsaufgaben und Berufstätigkeit häufig wenig Zeit haben, um bei einem Präventionsprogramm mitzumachen.


Neben der Nicht-Teilnahme der Eltern an den Programmen stellt auch der vorzeitige Programmabbruch ein Problem dar. Studien zeigen eine durchschnittliche Abbruchrate von 28% bei Teilnehmenden von Elternerziehungsprogrammen, bei klinischen Therapien bewegt sie sich sogar zwischen 40 und 60 Prozent (Meidert 2006:36). Dabei steht die Zufriedenheit der Eltern mit dem Kurs in direktem Zusammenhang mit der Abbruchrate. Zu weiteren vermuteten Einflussfaktoren (Problemverhalten Kind, Erziehungswerte der Eltern, Bildungsstand der Eltern, Vorangegangene Nutzung von Elternbildungskursen etc.) liegen noch keine empirische Befunde vor.

Anbieter von Elternbildungsprogrammen stehen also vor folgenden Herausforderungen:

  • Wie und wo gelingt es, diesen Familien zu begegnen, sie anzusprechen und zur Teilnahme zu motivieren?
  • Wie soll ein Programm gestaltet sein, um diese Familien zu einer kontinuierlichen Teilnehme zu bewegen, damit die erwünschten Ziele erreicht werden?
 
 
 

Wichtige Kriterien von niedrigschwelligen Angeboten

Niedrigschwellige Angebote zeichnen sich oft aus, dass sie verschiedene Wege der Bekanntmachung nutzen. Zum Beispiel über Kinderärzte/innen und Frauenärzte/innen, in Kinderkrippen und Schulen oder über Teilnehmende von sozialen Netzen, wenn die Einladungen durch die Familien selbst weitergegeben werden.

Bei der Ausarbeitung von niedrigschwelligen Angeboten sind folgende Aspekte wichtig:

  • Keine oder geringe Teilnahmekosten
  • räumliche Nähe des Angebots
  • Beschreibung der Zielgruppe und des Angebots: wertschätzende Haltung gegenüber den Eltern als Experten ihrer Kinder
  • Anreize, wie zum Beispiel Gutscheine
  • Freiwilligkeit der Teilnahme und Möglichkeit des anonymen Zugangs
  • Zeitpunkt des Kontakts und des Einstiegs: jederzeit Einstieg ins Angebot, ohne lange Wartezeit und Antragsverfahren
  • Kinderbetreuungsangebot und Fahrdienst


Einige Beispiele von spezifischen Programmen und Angeboten:

 
 
 

Frühförderungsprogramm Opstapje

 
 

Opstapje ist ein in den Niederlanden entwickeltes präventives Spiel- und Lernprogramm für Kleinkinder ab 18 Monaten aus sozial benachteiligten Familien. Ziel ist die frühe Förderung der kindlichen Entwicklung und der Eltern-Kind-Beziehung.

Methode
Das Programm besteht aus 2 Programmbausteinen – Hausbesuchen und Gruppentreffen – und dauert insgesamt 18 Monate. Im ersten Programmjahr findet einmal wöchentlich ein 30-minütiger Hausbesuch statt, im 2. Programmjahr 14-tägig ein 1-stündiger Hausbesuch. Die Hausbesucherin spielt während einer halben Stunde mit dem Kind, die Mutter oder der Vater ist danach aufgefordert, das Spiel täglich zu wiederholen („Modelllernen“). Zudem werden spezielle Spiel- und Lernmaterialien, die dem Alter und Entwicklungsstand des Kindes angepasst sind, gemeinsam besprochen.
Zusätzlich finden alle 14 Tage Gruppentreffen statt, bei denen Kontakte geknüpft und Informationen an die Eltern weitergegeben werden.

Vorteile des Programms

  • Hausbesuche durch Laienmitarbeiterinnen aus der Zielgruppe.
  • Geringe Kosten, die bei Familien in Armut erlassen werden.
  • Familien erhalten altersentsprechendes und entwicklungsförderndes Spielmaterial.
  • Gruppentreffen mit Kinderbetreuung und Essensangebot.


In der Schweiz
Der Verein zur frühen Förderung von sozial benachteiligten Kindern «a:primo» hat das Programm Opstapje den schweizerischen Verhältnisse angepasst und bietet es unter dem Namen «schritt:weise» in Städten und Gemeinden an. Zentrale Ziele des Programms sind die Förderung der kindlichen Entwicklung, die Erweiterung der elterlichen Kompetenzen sowie die besser Integration der Familie in die Gesellschaft. Das Programm kombiniert «Geh-Strukturen» in Form von Hausbesuchen in der Familien mit »Komm-Strukturen» in Form von Gruppentreffen für die Mütter/Eltern und deren Kinder.

Auf der Website von a:primo finden sich u.a. die Ergebnisse der Evaluation, welche das Marie Meierhofer Institut für das Kind (MMI) durchführte.

An der 1. Nationalen Konferenz Jugend und Gewalt wurde das Projekt an einem Workshop_3_Diez-Grieser.pdf - external-link-new-window>Workshop vorgestellt.

 
 
 
 

FemmesTISCHE

 
 

FemmesTISCHE wurde 1996 entwickelt zur Gesundheitsförderung für Migrantinnen. Es basiert auf der Idee, dass informelle persönliche Gespräche bei bildungsfernen Personen oft besser funktionieren als Vorträge oder schriftliche Informationen. Bei FemmesTISCHE laden vorher ausgebildete Frauen aus dem jeweiligen Kulturkreis andere Frauen aus ihrem Bekanntenkreis zu sich nach Hause zu einer Gesprächsrunde ein. Eine Moderatorin regt mit einem kurzen Film das Gespräch unter den Beteiligten an.
Es werden Fragen zu Erziehung, Rollenverhalten und Gesundheit diskutiert sowie Informationen und Erfahrungen ausgetauscht.

Bei FemmesTISCHE mit Migrantinnen diskutieren die Frauen in ihrer Muttersprache. Es gibt auch interkulturelle FemmesTISCHE, in denen Frauen aus unterschiedlichen Kulturen miteinander in Deutsch diskutieren.

2007 übernahm Elternbildung CH die Leitung von FemmesTISCHE.