Hilfe zu Hause und persönliche Beratung

Als wirkungsvoll haben sich regelmässige Hausbesuche durch Hebammen oder Krankenschwestern erwiesen – insbesondere bei gefährdeten Müttern und bei Schwangeren. In einem Vergleich von über 20 Studien zu Hausbesuchsprogrammen für belastete Mütter konnten Forscher einen Rückgang von elterlicher Gewalt, von Kindsmisshandlung sowie von Gewalt durch das Kind selbst im späteren Lebenslauf nachweisen.

Wie entsprechende Programme im Ausland zeigen, können Hausbesuche während der Schwangerschaft und im Säuglingsalter vor allem dann etwas bewirken, wenn sie sich gezielt an gefährdete, junge Schwangere wenden. Ohne entsprechende Unterstützung sind die Kinder dieser Mütter von Geburt an einem erhöhten Risiko für einen späteren Substanzmissbrauch, Kriminalität und Gewalt ausgesetzt.

Hausbesuche mit umfassender Beratung
Bei den regelmässigen Besuchen wird die Mutter hinsichtlich der beruflichen, familiären und finanziellen Situation beraten. Während der Schwangerschaft stehen gesundheitsrelevante Verhaltensweisen wie Alkohol-, Drogen- und Nikotinmissbrauch im Vordergrund. Nach der Geburt konzentrieren sich die Interventionen auf die Förderung von Erziehungskompetenzen, auf die Verhinderung von Kindsmisshandlungen und -vernachlässigung sowie auf die weitere Lebensplanung.

Im Gegensatz zur in der Schweiz bekannten Mütter- und Väterberatung erreichen diese Programme vor allem sozial schwache Eltern und bieten eine deutlich umfassendere Erziehungs- und Lebensberatung an.

 
 
 

Angebot in der Schweiz
Das Angebot für werdende Mütter und während der ersten Lebensjahre des Kindes ist in der Schweiz – auch wegen des gut ausgebauten Gesundheitssystems – ausgezeichnet. Neben den Hausärzt/innen und Hebammen ist seit über 100 Jahren die Mütter- und Väterberatung tätig. Die hochwertigen, unmittelbar nach der Geburt einsetzenden Dienstleistungen werden in fast allen Gemeinden angeboten:

  • Telefonische Beratung
  • Beratungsstellen
  • Hausbesuche
  • Kurse
  • Informationen auf der Website
 
 
 

Einige beispielhafte Programme
Eine Auswahl von Hausbesuchsprogrammen und Angeboten für Schwangere und Eltern mit Kindern im Säuglings- und Kleinkindalter:

 
 
 

schritt:weise / Opstapje

 
 

Das Programm Opstapje wurde in den Niederlanden entwickelt und 2005 in Deutschland eingeführt. Bei Opstapje handelt es sich um ein Spiel- und Lernprogramm für Kleinkinder ab 18 Monaten und deren Eltern. Das Programm steht in der Tradition von aufsuchender Familienbildung und Frühförderungsprogrammen und richtet sich an sozial benachteiligte Familien sowie Familien mit Migrationshintergrund.
Unter dem Namen schritt:weise wird seit ein paar Jahren vom Verein zur frühen Förderung von sozial benachteiligten Kindern «a:primo» eine an die schweizerischen Verhältnisse angepasste Form von Opstapje vertrieben. Die Umsetzung des Projekts in der Deutschschweiz wurde vom Marie Meierhof Institut evaluiert.

 
 
 
 

Nurse-Family-Partnership

 
 

www.nursefamilypartnership.org

Das am besten evaluierte Programm wurde in den letzten 15 Jahren in vielen US-Bundesstaaten auf breiter Basis eingeführt. Eine ausgebildete Hebamme übernimmt ein bis vier Hausbesuche pro Monat, welche in der Schwangerschaft beginnen und fortgesetzt werden, bis das Kind zwei Jahre alt ist.
Das Programm wird mittlerweile in mehreren europäischen Ländern getestet, unter anderem in den Niederlanden unter dem Namen VoorZorg (Nurse-Family Partnership in the Netherlands) sowie in Deutschland unter der Bezeichnung Pro Kind – Wir begleiten junge Familien.

 
 
 
 

Education familiale

 
 

Der Verein Familienbegleitung (VFB) unterstützt Eltern von Kindern im Alter von 0 bis 7 Jahren im Kanton Freiburg. Er steht ihnen mit verschiedenen bedürfnisgerechten, niederschwelligen Angeboten in französischer oder deutscher Sprache zur Seite. Unter anderem werden Eltern in Krippen und Kindergärten oder bei Mütterberatungen und Kinderärzt/innen angesprochen. Damit gelingt es, mit denjenigen Familien ins Gespräch zu kommen, welche ansonsten schwer zu erreichen sind.

 
 
 
 

Hilfe in Notlage (Mütterhilfe)

 
 

Die Stiftung Mütterhilfe unterstützt Schwangere und Eltern, wenn sie in psychischer und/oder finanzieller Notlage sind. Die Angebote erhalten Hilfesuchenden bis ihr jüngstes Kind drei Jahre alt ist und umfassen Themen der Sozialberatung (Rechtsfragen, finanziellen Problemen etc.), Familienberatung (Überforderung, Unsicherheiten mit dem Baby etc.) und Elterntherapie (Beziehungskrisen aufgrund der veränderten Familiensituation).

 
 
 
 

Hilfe bei Schreibabys

 
 

Der Verein Schreibabyhilfe bietet Informationen und Adressen zum Thema sowie die Möglichkeit, sich über ein Forum und über Erfahrungsberichte mit Betroffenen auszutauschen. Zudem kann via Mami4Mami-Telefondienst oder den persönlichen Kontakt Hilfe in Anspruch genommen werden.

 
 
 
 

Postnatale Depression

 
 

Informationen und Beratung zur doch häufig vorkommenden postnatalen Depression (rund 15%, ca. 12'000 Frauen pro Jahr) enthält die Website des Vereins Postnatale Depression Schweiz. Zudem werden Austauschmöglichkeiten (Forum, Kontakt zu Betroffenen) angeboten und Adressen von Fachstellen zur Verfügung gestellt. Studien zeigten, dass psychische Störungen der Mutter – vor allem depressive Symptome – ein Risikofaktor für Gewalt und Aggression bei Kindern und Jugendlichen darstellt.