Projekt «JugendRaum»: Beteiligung von Jugendlichen
Im Rahmen des Forschungsprojekts «JugendRaum  – Aneignung öffentlicher Räume durch Jugendliche» hat die Hochschule für Technik Rapperswil einen Leitfaden erarbeitet, der den Akteuren in Politik und Verwaltung Hilfestellung bei der Einführung von jugendgerechten partizipativen Planungsprozessen bietet. 

 
 
 

Jugendliche, Alkohol und öffentlicher Raum: Interventionskonzept
Radix Suisse romande hat im Juni 2012 ein interprofessionelles Interventionskonzept für den öffentlichen Raum herausgegeben. Darin geht es um Herausforderungen, Perspektiven und Mehrwert von partnerschaftlicher Arbeit.

 
 
 

Mobilisierung der Gemeinschaft zur Risikominimierung

Die Schweiz hat eine lange Tradition im Bereich der lokalpolitischen Entscheidungsfindung und des Bürgerengagements für kollektive Interessen. Diese Praxis ist ein wichtiger Trumpf, den eine Gemeinde oder ein Quartier für die Prävention ausspielen kann. Die Bevölkerung und lokale Gruppierungen (Elternrat, Privatorganisationen, Vereine, Kirchen, Unternehmen) betrachten die Gewaltprävention jedoch oft nicht als kollektive Aufgabe, an der sie sich beteiligen müssen.
Die auf die Gemeinschaft ausgerichteten Präventionsprogramme wirken auf mehreren Ebenen gleichzeitig: Familie, Schule, Freizeit. Sie fördern die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen und verstärken die kollektive Wirksamkeit. Die Bewältigung von Problemen wird durch die erworbenen Kompetenzen und den implementierten Problemlösungsprozess vereinfacht.
Die Gemeinschaft kann somit von der Problemermittlung bis zur Umsetzung von Präventionsmassnahmen überall mitwirken.

 
 
 

Vielversprechende Bilanz kollektiver Ansätze
In den letzten zehn Jahren wurden Ansätze zur Mobilisierung der Gemeinschaft in mehreren Gemeinden entwickelt und institutionell verankert. Die Bilanz ist vielversprechend, insbesondere wenn:

  • Vertreter/-innen aller Bevölkerungsgruppen mobilisiert werden,
  • Behörden, Unternehmen und Privatorganisationen sich engagieren,
  • das Vorgehen die örtlichen Probleme berücksichtigt.

Die Zusammenarbeit zwischen Behörden, Unternehmen, Privatorganisationen und Vertreter/-innen der Bevölkerung gilt als vielversprechender Ansatz, dessen Wirksamkeit jedoch schwer messbar ist. In Grossbritannien und den Niederlanden durchgeführte Studien zeigen jedoch, dass der Erfolg eines solchen Ansatzes von verschiedenen Faktoren abhängt, namentlich:

  • Qualität der Zusammenarbeit im Lenkungsausschuss,
  • real in das Programm investierte Zeit,
  • finanzielle und organisatorische Ressourcen zur Erarbeitung der Massnahmen,
  • Unterstützung, die der Ausschuss von anderen Institutionen (Schule, Gemeinde usw.) erhält.
 
 
 

Lokale Präventionsräte
Dieser Ansatz beruht auf der Forderung, dass die Gewaltprävention nicht an die Behörden delegiert, sondern von allen Mitgliedern einer Gemeinschaft oder eines Quartiers getragen werden soll.
In der Schweiz gibt es auf Kantons- und Gemeindeebene Präventions- und Sicherheitsräte. Nachfolgend einige Beispiele dafür:

 
 
 

Gemeinde Hombrechtikon

 
 

Die Zürcher Gemeinde Hombrechtikon (8'000 Einwohner) zeichnet sich durch das aktive Engagement ihrer Einwohner im Bereich der Gewaltprävention aus. Jugend- und Elternorganisationen, Sportvereine, Sozialbehörden, Kirche, Polizei, private Sicherheitsfirmen und Schulbehörden bilden ein Netzwerk, das von der 2002 gegründeten Beratungs- und Präventionsstelle koordiniert wird. Die verschiedenen Akteure kommen regelmässig zusammen, um die Wirkung der getroffenen Massnahmen zu analysieren und neue Projekte auszuarbeiten. Dieses Konzept ist Teil eines umfassenden Präventionsprogramms auf Gemeindeebene: aktive Unterstützung für die Eltern und Implementierung von Projekten, die sich in den Schulen bewährt haben, wie z.B. PFADE und Peacemakers.

 
 
 
 

Stadt Basel

 
 

In Basel setzt der Ad-hoc-Dienst der Stadt ein umfassendes Gewaltpräventionsprojekt um. Der Dienst arbeitet mit allen privaten und öffentlichen Organisationen zusammen, die im Bereich der Gewaltprävention tätig sind, und bildet mit diesen eine Arbeitsgruppe. Die von der Stadt unterstützten Präventionsprojekte müssen zuerst von Fachleuten als sinnvoll anerkannt werden.

 
 
 
 

TaskForce Jugendgewalt in Zürich

 
 

Die Stadt Zürich verfügt über eine Stelle für Jugendgewaltprävention, welche die Koordination für die ganze Stadt übernimmt. Sie hat die Kompetenz, Präventionsziele festzulegen sowie die Qualität und Wirksamkeit der gewählten Massnahmen zu überprüfen. In den Quartieren und heiklen Stadtgebieten sind Arbeitsgruppen vor Ort im Einsatz. Sie konzentrieren sich auf spezifische Probleme und erarbeiten Massnahmen unter Einbezug aller betroffenen Institutionen.

 
 
 
 

Task-Force interkulturelle Konflikte TikK

 
 

Das Kompetenzzentrum für interkulturelle Konflikte TIkK erarbeitet Konzepte zur Beilegung von interkulturellen Konflikten, namentlich wenn Probleme beim Zusammenleben der Mitglieder einer Gemeinschaft auftreten. TikK steht öffentlichen und privaten Instanzen zur Verfügung.

 
 
 
 

Wir kümmern uns selbst

 
 

In Deutschland hat das Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unter dem Titel «Wir kümmern uns selbst» ein Bundesmodellprogramm lanciert. Dieses soll die Beilegung von Konflikten in Zusammenhang mit der Nutzung des öffentlichen Raumes vereinfachen und richtet sich an Gemeinden und öffentliche Akteure.
Dabei sollen alle von einem Konflikt betroffenen Personen an einen Tisch gebracht werden. Sie werden aufgefordert, gemeinsam nach einer Lösung zu suchen, bevor die Situation eskaliert. Die Verhandlung nimmt einen wichtigen Platz ein. Ein Vermittler bringt die Debatte in Gang, leitet sie aber nicht. Das Programm beruht auf folgenden Grundsätzen:

  • Die Ideen zur Beilegung eines Konfliktes kommen von den Betroffenen selber.
  • Die Vielfalt der Akteure ist etwas Positives.
  • Es gibt weder Schuldige noch Opfer. Jede(r) hat das Recht auf Anhörung.
  • Erwachsene und Jugendliche sind gleichberechtigt.
  • Die Berücksichtigung des sozialen Kontexts ist wesentlich für das Verständnis und die Lösung des Konfliktes.

Das Programm wurde in sieben deutschen Gemeinden getestet. Die wissenschaftliche Evaluation ist zum Schluss gelangt, dass das Experiment positiv ausgefallen ist. Die meisten der aufgetretenen Konfliktsituationen konnten zufriedenstellend gelöst werden.

 
 
 
 

COMMUNITIES THAT CARE

 
 

Communities that Care, zu Deutsch «Gemeinschaften, die sich kümmern», ist kein Präventionsprogramm im eigentlichen Sinne. Es handelt sich um eine Arbeitsmethode zur Ermittlung und Umsetzung verschiedener Massnahmen. Dieses Instrument wurde in den USA, Grossbritannien, Australien und den Niederlanden erfolgreich eingesetzt. Damit konnten Gemeinschaften effiziente Präventionsmassnahmen treffen, und zwar mit folgenden Zielen:

  • Entwicklung eines gemeinsamen Ansatzes, der die wichtigsten Gruppen einer Gemeinschaft zusammenführt,
  • Ermittlung der Risiko- und Schutzfaktoren, welche insbesondere die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen beeinflussen,
  • Fokussierung der Interventionen auf die Faktoren mit dem höchsten Interventionsbedarf,
  • Ermittlung der Lücken im bestehenden Präventionsmassnahmenangebot mittels einer Ressourcenanalyse,
  • Erarbeitung eines auf die lokalen Bedürfnisse abgestimmten und auf aussagekräftigen Daten beruhenden Präventionsprojekts,
  • Umsetzung von Qualitätsmassnahmen,
  • Beobachtung und Beurteilung der erzielten Wirkung.

Das Projekt wird von einem Lenkungsausschuss genau verfolgt, der aus allen Gruppen des Quartiers besteht: 15 bis 25 Mitglieder, darunter Vertreter/-innen von Eltern, Schule, Polizei, Unternehmen, Kirche und Minderheiten.  
Die Methode Communities that Care liefert dem Ausschuss wissenschaftliche und organisatorische Kenntnisse. Sie fördert die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren und unterstützt die Umsetzung von Projekten durch eigens dafür geschulte Personen. 
In der Schweiz testen derzeit mehrere Zürcher Gemeinden diesen Ansatz im Rahmen eines vom Programm Jugend und Gewalt unterstützten Pilotprojekts.