Alkohol und Gewalt im Jugendalter
Bericht des BAG, 2006

 
 
 

Alkoholmissbrauch als Risikofaktor

Problematischer Alkoholkonsum bei Jugendlichen kann zu Entgleisungen und Gewalttaten führen. Das Nationale Programm Alkohol stellt ebenfalls einen Zusammenhang mit Gewaltprävention her: Ziel ist die Verringerung der schädlichen Folgen von Alkoholkonsum (z.B. Unfälle, erhöhte Gewaltneigung). Dabei stehen die Themen Jugend, Gewalt, Unfälle und Sport im Vordergrund.

Häufig werden folgende Massnahmen empfohlen: Einschränkung des Zugangs zu Alkohol vor allem durch begrenzte Kaufmöglichkeiten (Altersgrenze, Verkaufszeiten) sowie Schulung des Dienst- und Sicherheitspersonals.
Dafür ist es sinnvoll und auch erforderlich, dass die Akteure, die im Nachtleben der Jugendlichen eine Rolle spielen, sich selbst mobilisieren und absprechen. Wenn sie sich abstimmen und koordinierte Massnahmen ergreifen, sind wirkungsvolle Präventionsstrategien möglich.

 
 
 

Alkoholkonsum bei Jugendlichen begrenzen
In der Schweiz werden zahlreiche Massnahmen eingeführt, um den Alkoholkonsum Jugendlicher einzuschränken. Die Schwerpunkte sind:

  • Jugendschutzbestimmungen durchsetzen. Zu den Massnahmen zur Bekämpfung der Alkoholabgabe an Minderjährige gehören die Sensibilisierung der Gewerbetreibenden, die Schulung des Verkaufspersonals sowie Testkäufe in Lokalen mit Alkoholausschank.
  • Alkoholverkaufsverbot in Läden am Abend und in der Nacht sowie in Tankstellen. Der Kanton Genf hat diese Einschränkungen mit positiver Wirkung umgesetzt. Gemäss Untersuchungen konsumieren Heranwachsende und Jugendliche weniger Alkohol, wenn der Verkauf von Alkohol über den Ladentisch eingeschränkt wird. Dies erklärt sich vor allem daraus, dass Jugendliche zu ungeplanten Spontankäufen von Spirituosen neigen.
  • Auch die Preiskontrolle beim Alkoholverkauf trägt zur Verringerung des Alkoholkonsums Jugendlicher bei. Eine Metaanalyse der Universität Sheffield zeigt, dass die Preiskontrollpolitik die Risiken verringern kann. Bei dieser Analyse wurden rund 40 Szenarien geprüft. Die wirksamsten Massnahmen in absteigender Reihenfolge sind:

    • systematische Preiserhöhung
    • Einführung eines Mindestpreises
    • Verbot von Sonderangeboten für Spirituosen
    • Verbot von Alkoholwerbung

Die Massnahmen wirken sich bei den 18- bis 24-jährigen Jugendlichen nicht nur auf die Kriminalität, sondern auch auf die Gesundheit, Absenzen und Arbeitslosigkeit aus. In dieser Altersgruppe sind höhere Preise für die billigsten Spirituosen ausschlaggebend. Besonders wirksam ist die Kombination von Mindestpreis und Verbot von Sonderangeboten.


Einbezug der Betreiber von öffentlichen Lokalen
In einigen bei Jugendlichen beliebten Ausgehvierteln treffen sich die Betreiber bzw. Besitzer von Hotels, Bars und Clubs mit Vertretern der Quartiervereine, um Probleme zu identifizieren und Lösungen zu finden, z.B. mit der Erarbeitung und Anwendung einer Hausordnung. Sie schreiben Altersgrenzen für den Alkoholverkauf vor und bieten dem Service- und Sicherheitspersonal Schulungen an. Dank dieser Massnahme nimmt die Gewalt in der Nähe der Ausgehlokale deutlich ab.

 
 
 

Branchenübergreifendes Interventionsmodell

 
 

2012 stellte RADIX ein branchenübergreifendes Interventionskonzept (auf Französisch) vor, um Risiken an Versammlungsorten und Treffpunkten von jungen Menschen im Sozialraum zu verringern. Es umfasst je nach Treffpunkt unterschiedliche Massnahmen: in bewohnten Quartieren, in der Nähe von Veranstaltungsorten oder an unbewohnten Orten.

 
 
 
 

Modell K

 
 

In Schweden setzt die Polizei zur Bekämpfung der Jungendgewalt auf Alkoholprävention im öffentlichen Raum. Wenn Polizisten alkoholisierte Minderjährige festnehmen, leeren sie die Spirituosenflaschen vor Ort aus, bringen die Jugendlichen zur Polizeiwache und nehmen Kontakt mit den Eltern auf. Die Ordnungshüter sprechen die Eltern auf das Problem an, damit die Kinder nicht rückfällig werden. Ausserdem versuchen sie, herauszufinden, wie die Jugendlichen sich den Alkohol beschafft haben. Wer Alkohol an Minderjährige verkauft, wird wegen Verletzung des Spirituosengesetzes belangt.
Eine Evaluation lässt deutlich positive Auswirkungen ersehen. Wenn systematisch und konsequent so vorgegangen wird, ändern die Jugendlichen ihr Konsumverhalten, Alkoholvergiftungen und Sachbeschädigungen im öffentlichen Raum nehmen ab. Die Studie gibt jedoch keinen Aufschluss darüber, ob die Jugendlichen tatsächlich weniger konsumieren oder ob sie dafür im privaten Rahmen mehr trinken.