Projekt «JugendRaum»: Beteiligung von Jugendlichen
Im Rahmen des Forschungsprojekts «JugendRaum  – Aneignung öffentlicher Räume durch Jugendliche» hat die Hochschule für Technik Rapperswil einen Leitfaden erarbeitet, der den Akteuren in Politik und Verwaltung Hilfestellung bei der Einführung von jugendgerechten partizipativen Planungsprozessen bietet. 

 
 
 

Jugendliche, Alkohol und öffentlicher Raum: Interventionskonzept
Radix Suisse romande hat im Juni 2012 ein interprofessionelles Interventionskonzept für den öffentlichen Raum (auf Französisch) herausgegeben. Darin geht es um Herausforderungen, Perspektiven und Mehrwert von partnerschaftlicher Arbeit.

 
 
 

Massnahmen zur optimalen Nutzung des öffentlichen Raums für alle

Viele Städte und Gemeinden kennen diese Problematik: Anwohner/-innen beschweren sich über Jugendliche wegen nächtlicher Ruhestörung, auf der Strasse liegen gelassener Abfälle, Alkohol- und Drogenkonsum sowie Vandalismus. Am Wochenende und in der Nacht häufen sich solche Vorfälle, insbesondere auf stark frequentierten Plätzen.

Für die Behörden gibt es verschiedene Möglichkeiten, dieses Problem anzugehen. In manchen Städten und Gemeinden wurden in den letzten Jahren vermehrt Kontrollmassnahmen wie Videoüberwachung oder Wegweisungen getroffen. Es gibt jedoch viele Präventivmassnahmen zur Bewältigung der Probleme im öffentlichen Raum, die eher auf Partizipation, Förderung von Eigenverantwortung und Vermittlung abzielen.
Zu diesen Massnahmen gehören die Präventions- und Interventionsteams, die in den grossen Schweizer Städten unterwegs sind und sich für ein friedliches Zusammenleben im öffentlichen Raum einsetzen.


Auf die Jugendlichen zugehen, Arbeit vor Ort
Die aufsuchenden Sozialarbeiter/-innen gehen auf die Jugendlichen zu, um mit ihnen einen ständigen Dialog zu führen, ihnen noch andere Bezugspersonen als die Mitglieder ihrer Gruppe zu bieten und dadurch das Gewaltrisiko zu senken. Sie gehen dort hin, wo die Jugendlichen sich befinden, und sind dabei manchmal mit Präventionsbussen unterwegs.
Neben der sozio-edukativen Arbeit versuchen manche Städte und Gemeinden, die Polizeipräsenz in den Risikogebieten zu verstärken.
«Hot Spot Policing» ist ein vielversprechender Ansatz der Polizei, der auf die heiklen Orte einer Stadt oder eines Dorfes abzielt. Mit der elektronischen Datenerfassung in den Polizeiposten können die heiklen Orte rasch ermittelt und grafisch aufgezeigt werden. Die Polizei kann dann ihre Arbeit aufgrund dieser Ergebnisse organisieren. Ihr stehen verschiedene Instrumente zur Verfügung:

  • Hohe Polizeipräsenz über einen bestimmten Zeitraum
  • Häufige Polizeistreifen
  • Identitätskotrollen bei auffälligem Verhalten im öffentlichen Raum
  • Wiederholte Razzien an heiklen Orten

Die Stadt Biel verfügt bereits über eine gute Erfahrung mit dem Hot Spot Policing. Als erste Stadt der Schweiz hat sie eine echte Polizeistrategie zur Verringerung der Jugendgewalt erarbeitet und die Polizeipräsenz an neuralgischen Punkten verstärkt. Dabei wird mit privaten Sicherheitsfirmen zusammengearbeitet.

 
 
 

Effizienz des «Hot Spot Policing»
Im öffentlichen Raum konzentriert sich die Gewalt auf ganz bestimmte Orte und Tageszeiten. Auf einer Fläche von weniger als 5 % des Stadtgebiets erfolgt etwa die Hälfte aller Festnahmen wegen Drogendelikten oder Gewalttaten im öffentlichen Raum.
Mehrere Metaanalysen zeigen, dass eine gezielte Polizeiaktion effizient ist. Sieben von neun analysierten Studien ergaben eine positive Wirkung auf die Kriminalitätsrate. Fünf geben einen Kriminalitätsrückgang von ca. 17 % an.

Kontrolle und Beschränkungen verändern das Verhalten nicht
Zur Wahrung der öffentlichen Ordnung an heiklen Orten setzen immer mehr Städte und Gemeinden die Videoüberwachung ein. Eine Auswertung verschiedener Studien (Fonteneau Mathilde, Le Goff Tanguy, 2008) gelangt zum Schluss, dass videoüberwachte Orte eine gewisse Wirkung zeigen und in der betroffenen Gegend zu einem Rückgang von Autodiebstählen, Sachbeschädigungen und Drogenhandel führen. Die Kriminalität verschiebt sich aber einfach in andere Quartiere. Die Videokameras verändern also das Verhalten der Täter/-innen nicht. Die Forscher zeigen auch auf, dass die Wirkung mit der Zeit abnimmt. Ausserdem verringert sich das Gefühl der Unsicherheit nicht merklich. Eine kürzlich publizierte Studie über die Videoüberwachung in der Stadt Luzern gelangt zu ähnlichen Schlüssen.


Bei der Ausgangssperre geht man davon aus, dass viele Akte von Jugendgewalt in der Nacht verübt werden und dass es durch die Verhängung der Sperre weniger Gelegenheiten gibt, Delikte zu begehen. Aus den Ergebnissen der verschiedenen Studien konnten keine eindeutig positiven Schlüsse gezogen werden, weder für die Kriminalität noch für das Risiko, Opfer einer Gewalttat zu werden. Hingegen schränkt die Ausgangssperredie Freiheit der betroffenen Personen ein. Es ist daher wichtig, die vorhandenen Interessen gegeneinander abzuwägen und sich zu vergewissern, dass das angestrebte Ziel diese Massnahme rechtfertigt.

 
Mit Rayonverboten und Wegweisungen sollen Personen mit stark gestörtem oder kriminellem Verhalten für eine gewisse Zeit in ihre Schranken gewiesen werden. Bis jetzt wurden noch keine systematischen Studien zur Effizienz dieses Instruments zur Gewaltprävention durchgeführt.

 
 
 

Vermittler im sozialen Raum
Zur Verbindung von Aufsicht, Dialog, Intervention und Direkthilfe wurden in den grossen Schweizer Städten verschiedene Nachtstreife-Dienste eingeführt.

 
 
 

PINTO in Bern

 
 

PINTO (Prävention-INtervention-TOleranz) ist ein Angebot des Jugendamtes der Stadt Bern, das:

  • hilft, den öffentlichen Raum der Stadt Bern für alle offen zu halten.
  • macht auf Fehlverhalten aufmerksam und fordert Verhaltensanpassungen.
  • fördert Toleranz, Koexistenz und Rücksichtnahme unter den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen.
  • ist dort aktiv, wo Probleme und Konflikte entstehen können.
  • ermutigt Menschen dazu, persönlich Verantwortung für ein friedliches Zusammenleben im öffentlichen Raum zu übernehmen.
  • beugt mit gezielten Interventionen der Gefahr der Suchtmittelabhängigkeit und dem chronischen Aufenthalt auf der Gasse vor.
  • bietet direkt und unkompliziert soziale sowie medizinische Hilfe an.
  • ist kein Ersatz und keine Konkurrenz für bestehende Hilfsangebote, sondern arbeitet eng mit bestehenden Institutionen und Stellen zusammen.

PINTO ist von Montag bis Samstag zwischen 11 und 23 Uhr auf der Gasse präsent. Die PINTO-Mitarbeitenden sind an ihren roten Westen und T-Shirts erkennbar.

 
 
 
 

SIP in Zürich und Luzern

 
 

Sicherheit Intervention Prävention sip züri kombiniert aufsuchende Sozialarbeit mit ordnungsdienstlichen Aufgaben.
Die sip-züri-Mitarbeitenden schlichten Konflikte in öffentlichen Anlagen und intervenieren in Parks und auf Plätzen bei Störungen und Belästigungen.
Die sip züri hat keine polizeilichen Kompetenzen. Die Durchsetzung der Ordnung erfolgt auf der kommunikativen und psychologischen Ebene, durch Vertrauensbildung und Vermittlung. In kritischen Situationen wird die Stadtpolizei beigezogen.

Seit Sommer 2005 engagiert sich der SIP der Stadt Luzern in Zusammenarbeit mit Polizei, Strasseninspektorat und Privaten für Sicherheit und Sauberkeit im öffentlichen Raum. Sie pflegt die Vernetzung mit Gewerbe, Anwohnerschaft und öffentlichen Stellen. SIP hat keine polizeihoheitlichen Kompetenzen und kann aus rechtlichen Gründen auch keine Bussen aussprechen. Die Durchsetzung der Ordnung erfolgt auf der kommunikativen und psychologischen Ebene, durch Vertrauensbildung und Vermittlung. In kritischen Situationen wird die Polizei hinzugezogen. SIP fördert die Eigenverantwortung und versucht, deeskalierend zu wirken.

 
 
 
 

Correspondants de nuit in Vernier (GE)

 
 

Der 2011 von der Stadt Vernier ins Leben gerufene Dienst der «Correspondants de nuit» (Ansprechpartner in der Nacht) ist an 365 Tagen im Jahr von 18 bis 02 Uhr in verschiedenen Quartieren präsent.
Die in Sozialvermittlung geschulten Correspondants de nuit handeln auf Verlangen der Einwohner/-innen. Sie gehen auf diese zu, indem sie zu Fuss in den betroffenen Quartieren unterwegs sind, und/oder intervenieren, indem sie sich mit den Personen verabreden, die das möchten.
Ihr Einsatz hat folgende Ziele:

  • Sozialaufsicht in den betroffenen Quartieren
  • Beitrag zur Wiederherstellung der sozialen Bindung
  • Prävention und Information bei nachbarschaftlichen Auseinandersetzungen und Lärm
  • Vermittlung in den Lebensräumen
  • Spannungsabbau in öffentlichen und privaten Räumen
  • Mitwirkung bei der Beilegung von Konflikten als neutraler Vermittler
  • Wiederherstellung der Kommunikation zwischen Personen oder Gruppen
  • Sensibilisierung für Gesetze, Regeln und Werte des Zusammenlebens
  • Orientierung, angemessene Information und Vermittlung zu anderen Diensten


Der Dienst befasst sich mit Fällen von Lärmbelästigung, Nachbarkonflikten, unterschiedlicher Auffassung und Auslegung der Regeln des Zusammenlebens, Menschenaufläufen an öffentlichen Plätzen oder in Gemeinschaftsräumen von Gebäuden, Beschimpfungen und Drohungen, vorsätzlicher Beschädigung, Persönlichkeitskonflikten, Isolation oder auch einfach mit Menschen, die das Bedürfnis haben, gehört zu werden.