Pilot- und Evaluationsprojekte im Programm Jugend und Gewalt

Gewaltprävention im Sozialraum:

 

 
 
 

Publikationen Good Practice

 
 
 

Was tun bei Zwischenfällen im öffentlichen Raum?

Interview mit zwei Beratern des Beratungspools Jugend und Gewalt:

 
 
 

Soziales Umfeld und öffentlicher Raum

Während für Kleinkinder vor allem die Familie und später die Schule zentrale Lern- und Lebensorte sind, erweitert sich der Aktionsradius im Jugendalter schrittweise auf die Nachbarschaft und den öffentlichen Raum. Damit verbunden können sich sowohl Schutz- wie Risikofaktoren für jugendliches Gewaltverhalten verändern. Der Alkohol- und Drogenkonsum, unstrukturierte Freizeitaktivitäten, häufiger abendlicher Ausgang, geringe soziale Kontrolle, ein eventuell delinquenter Freundeskreis sowie problembehaftete Quartiere können wichtige Einflussfaktoren für ein Gewaltverhalten sein.

 
 
 

Gewaltprobleme im Sozialraum

In Schweizer Städten bestehen zwischen Wohnquartieren zum Teil erhebliche Unterschiede in der Häufigkeit von Gewaltvorfällen. Entscheidend kann dabei sein, wie gut der soziale Zusammenhalt in einem Quartier ist, wie stark sich Eltern für schulische und quartierbezogene Aktivitäten einsetzen und wie gross der Anteil von problembelasteten Familien im Quartier ist.

 

Frühe Morgenstunden und am Wochenende

In den Innenstädten und Ausgehzentren ballen sich die Gewaltvorfälle vor allem in den frühen Morgenstunden und am Wochenende. Gleichzeitig sind Vandalismus und Lärmbelästigungen in Vorortgemeinden und öffentlichen Verkehrsmitteln häufig genannte Probleme. Zu Brennpunkten werden öffentliche Plätze, Bahnhöfe und Parks, weil sie beliebte Treffpunkte für Jugendliche sind. Alkohol- und Drogenkonsum sowie das Aufeinandertreffen von gewaltbereiten Jugendlichen spielen jeweils eine wichtige Rolle.

 

Erfolgreiche Massnahmen

Von grosser Bedeutung für die Gewaltprävention sind die Gestaltung und Verfügbarkeit von öffentlichen Räumen, von Freizeitangeboten sowie der Zugang von Fachleuten zu Jugendlichen in Problemsituationen. Erfolgreiche Strategien zur Vorbeugung von Jugendgewalt kombinieren präventive Massnahmen mit angemessenen Interventions- und Ordnungsmassnahmen. In der Schweiz bestehen bereits eine Vielzahl von erfolgreichen Massnahmen:

  • Förderung von Bürgerengagement, Zusammenhalt im Quartier und Quartierentwicklung: In problembehafteten Quartieren hat sich das Einsetzen von runden Tischen unter Beteiligung von Jugendlichen bewährt. Damit will man die Zusammenarbeit zwischen den Jugendlichen und verschiedenen Akteuren der Präventionsarbeit fördern. Weiter gibt es erfolgversprechende Ansätze in der Sozialarbeit und bei Projekten zur Quartierentwicklung. Zudem versuchen verschiedene Projekte, Bürger und Bürgerinnen dazu zu befähigen, dass sie bei Konfliktsituationen ohne Gefahr selber eingreifen können.
  • Organisierte und leicht zugängliche Freizeitaktivitäten: Eine breite Palette an organisierten und leicht zugänglichen Freizeitangeboten ist im Sinne der Gewaltprävention sehr wichtig. Dazu zählen die verbandliche und offene Jugendarbeit wie auch Angebote von Vereinen und solchen, die Jugendlichen vor allem am Wochenende und an Abenden eine Alternative zu kommerziellen Freizeitangeboten und Clubs bieten.
  • Gewaltprävention in Vereinen und bei Sportveranstaltungen: Auch in Vereinen kommt es zu Aggressionen und Gewalttaten, die jedoch oft verdeckt bleiben. Erste Projekte zeigen adäquate Präventions- und Interventionsstrategien auf. Auch der Gewaltprävention rund um Sportveranstaltungen – insbesondere der präventiven Fanarbeit – wird eine grosse Bedeutung zugemessen.
  • Konfliktprävention und Intervention im öffentlichen Raum: Um Konflikten im öffentlichen Raum vorzubeugen oder bei Problemsituationen frühzeitig intervenieren zu können, sind in den letzten Jahre verschiedene Projekte entstanden: Dazu zählen die mobile Jugendarbeit, Präventionsprojekte mit Zivildienstleistenden, mobile Interventionsteams, die bei Problemsituationen möglichst früh und deeskalierend eingreifen sowie die verstärkte Präsenz von Sicherheitskräften an bekannten Brennpunkten.