Gewalt hat viele Ursachen

Gewalt ist nicht auf eine einzige Ursache zurückzuführen. Sie ist das Ergebnis des komplexen Zusammenspiels von vielen Einflussfaktoren auf verschiedenen Ebenen. Bezüglich der Einflussfaktoren unterscheidet man zwischen Gewalt fördernden und Gewalt hemmenden Faktoren, also Risiko- und Schutzfaktoren. Die Bedeutung der verschiedenen Risiko- und Schutzfaktoren verändert sich von der frühen Kindheit bis zum Ende der Pubertät. Einflussebenen und Gelegenheiten zur Interaktion in einem immer weiteren Umfeld überlagern sich: zur Familie kommt die Schule hinzu, dann auch Beziehungen mit Gleichaltrigen, Nachbarschaft und weiter gefasste Gesellschaftskreise. Seit über 30 Jahren greift die Gewaltforschung deshalb auf Erklärungsmodelle, die die Einflüsse von unterschiedlichen Faktoren auf Jugendliche untersuchen und in einen Zusammenhang stellen.

 

 
 
 

Risiko- und Schutzfaktoren

Besonders starke Risikofaktoren sind zum Beispiel:

  • problematische Erziehungspraktiken der Eltern: z.B. geringes elterliches Engagement, mangelnde elterliche Aufsicht, Missbrauch oder Gewalt in der Familie,
  • die Zustimmung zu Gewalt befürwortenden Normen und die Zugehörigkeit zu einem delinquenten oder Gewalt befürwortenden Freundeskreis,
  • unstrukturierte Freizeitaktivitäten.
  • Der Besuch eines tiefen Schulniveaus und frühes, häufiges Schulschwänzen erhöhen das Risiko für gewalttätiges Verhalten ebenfalls, allerdings weniger stark als die erstgenannten Faktoren.
  • Bei den individuellen Merkmalen können auch physische Voraussetzungen wie ein tiefer Ruhepuls Zeichen für latente Aggressivität sein, die sich zu Gewalttätigkeit entwickeln kann.

 

Zusammentreffen von vielen Risikofaktoren

 

Die verschiedenen Risikofaktoren können kumuliert auftreten und sich gegenseitig verstärken. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Jugendlicher gewalttätig wird, ist schwach, solange er nur einer kleinen Anzahl Faktoren ausgesetzt ist. Erst beim Zusammentreffen von vielen Risikofaktoren nimmt die Gewaltbereitschaft stark zu. Schliesslich kann die Dauer, welche Jugendliche in Risikosituationen verbringen (z.B. Aufenthalt spät nachts in Stadtzentren, massiver Alkoholkonsum) nicht nur das Täterrisiko, sondern auch das Risiko Opfer einer Gewalttat zu werden, stark erhöhen.

 

Wichtige Schutzfaktoren

 

Schutzfaktoren bilden ein Gegengewicht zu den Risikofaktoren. Konstante und verlässliche Beziehungen zu Bezugspersonen, positive Erlebnisse, fördernde Umgebungen sowie positive individuelle Merkmale werden in diesem Zusammenhang oft genannt.

 
 
 

Mehrere Faktoren gleichzeitig beeinflussen

Für die Prävention ist von Bedeutung, dass sich Gewaltrisiken auf Gruppen mit mehrfachen Problemen konzentrieren. Bei einer erfolgreichen Präventionsstrategie sollte man deshalb auf mehrere Risikofaktoren gleichzeitig und gezielt einwirken und zugleich vorhandene Schutzfaktoren stärken.