Aktuell

Bericht "Evolution et ampleur de la violence parmi les jeunes"

D. Ribeaud, ETH Zürich & S. Lucia, CHUV Lausanne, 2015

(auf Französisch mit Zusammenfassungen in Deutsch, Italienisch und Englisch)

 

Bericht "Entwicklung von Gewalterfahrungen Jugendlicher im Kanton Zürich 1999-2014"

D. Ribeaud, ETH Zürich, 2015

 
 
 

Weitere Informationen

"Entwicklung des Gewaltverhaltens unter jungen Menschen in den letzten 20 Jahren" Artikel von Denis Ribeaud (ETH Zürich) in der Zeitschrift Soziale Sicherheit (CHSS) 1/2013

 

Interview mit Denis Ribeaud (CHSS 1/2013)

 

3. SUVA-Studie zur Entwicklung gewalt-bedingte Verletzungen (Lanfranconi, 2013)

Interview mit Denis Ribeaud über diese Trends

 

Bundesamt für Statistik: Jugendstrafurteile

 
 
 

Wie viele Straftaten bleiben unentdeckt?

Aussagen über Ausmass und Entwicklung von Kriminalität sind allgemein schwierig zu machen. Neben den bekannt gewordenen Fällen existiert immer ein Dunkelfeld von unentdeckten Straftaten, deren Umfang nur abgeschätzt werden kann. Eine Erhöhung der Zahl der Verurteilungen oder der polizeilich registrierten Fälle muss daher nicht zwangsläufig eine Erhöhung der Kriminalität bedeuten. Zum heutigen Zeitpunkt ist es anhand statistischer Daten nicht möglich, eine abschliessende Bewertung über Ausmass und Entwicklung von Jugendgewalt vorzunehmen.

 
 
 

Opfererfahrungen von Jugendlichen

In den letzten 20 Jahren wurden Jugendliche in verschiedenen Studien nach ihren Opfererfahrungen befragt. Forscher haben die Ergebnisse hochgerechnet und mit internationalen Daten verglichen. Geht man von rund 500‘000 12- bis 17-Jährigen in der Schweiz aus, sind diese jährlich laut dieser Hochrechnungen von insgesamt 230‘000 Gewalthandlungen betroffen, davon 50‘000 Raubüberfälle, 35‘000 Erpressungen, 35‘000 Fälle sexueller Gewalt und 130‘000 Fälle körperlicher Verletzungen.

 
 
 

Mehrheit verübt keine Gewalt!

Gleichzeitig kommen Forschende aufgrund der in den letzten 20 Jahren durchgeführten Befragungen zu selbstberichteter Gewalt von Jugendlichen zu folgender Einschätzung: 70-80% und damit ein Grossteil der Jugendlichen sind weitgehend unauffällig. Etwa 15-20% der Jugendlichen sind hinsichtlich aktiver Gewaltausübung als gefährdet einzustufen. Gleichzeitig besteht bei dieser Gruppe eine erhöhte Gefahr des Alkohol- und Drogenmissbrauchs sowie des Begehens von Eigentumsdelikten. Bei 3-6% ist davon auszugehen, dass sich delinquente und aggressive Handlungsmuster verfestigen und somit eine hohe Gefahr von Wiederholungstaten besteht. Allerdings werden in der Schweiz und in anderen Ländern nur rund 0.5 % der Minderjährigen wegen eines Gewaltdeliktes tatsächlich verurteilt. Wichtig ist die Feststellung, dass eine Mehrheit der Jugendlichen nie durch Gewalt auffällt. Wiederholte und auch schwere Gewaltausübung wird von einem kleinen Prozentsatz begangen. Aus Studien aus dem benachbarten Ausland geht hervor, dass zirka 40 bis 60% aller Delikte, die von Angehörigen eines Geburtenjahrgangs begangen werden, auf das Konto von 4 bis 6% dieses Jahrgangs gehen.