Bekämpfung und Prävention von jugendlichem Gewaltverhalten auf Ebene Bund

Der Bundesrat hat mit seinem Bericht vom Mai 2009 die Ursachen und Hintergründe von jugendlichem Gewaltverhalten beleuchtet sowie eine Strategie für eine wirksame Gewaltprävention formuliert. Mit dem Präventionsprogramm Jugend und Gewalt wird diese Strategie aktuell vom Bund gemeinsam mit den Kantonen, Städten und Gemeinden umgesetzt.

 
 
 

Zahlreiche Bundesstellen involviert

Der Bereich Kinder- und Jugendfragen im Bundesamt für Sozialversicherungen, welches bei der Umsetzung des Programms Jugend und Gewalt federführend ist, pflegt den regelmässigen Austausch und die Zusammenarbeit mit verschiedenen Bundesstellen, deren Tätigkeiten im engeren oder weiteren Sinne ebenfalls das Thema Jugend und Gewalt betreffen. Da das Phänomen der (Jugend-)Gewalt so vielfältig in seinen Ursprüngen und Ausdrucksformen ist, sind verschiedene politische Bereiche betroffen. Auch solche, die nicht ausschliesslich auf die Gewaltbekämpfung ausgerichtet sind. So dienen aufgrund der Zusammenhänge auch Strategien, Förder- und Schutzmassnahmen in anderen Feldern (z.B. Integrationsstrategie, Jugendförderung, Suchtprävention) der Gewaltprävention. Die verschiedenen betroffenen Bundesstellen sowie deren Aktivitäten und Massnahmen mit Bezug zu Jugend und Gewalt sind im Folgenden dargestellt.

 
 
 

Bundesamt für Sozialversicherungen BSV

 
 

Im BSV sind verschiedene sozial- und gesellschaftspolitische Massnahmen angesiedelt, die sich für den Schutz und die Förderung der Entwicklung von Kindern, Jugendlichen sowie von Familien einsetzen. Mit Inkrafttreten des Kinder- und Jugendförderungsgesetzes ab 2013 nimmt das BSV eine Koordinationsrolle in der Kinder- und Jugendpolitik wahr. Bereits bestehende Fördermassnahmen in der ausserschulischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie im Kinderschutz (Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Gewalt in der Familie) werden derzeit ausgebaut. Parallel zum Programm Jugend und Gewalt realisiert das BSV das Programm Jugend und Medien, um auf einen sicheren und altersgerechten Umgang mit Gewaltdarstellungen in digitalen Medien hinzuwirken. Schliesslich ist das BSV bei der Umsetzung der Strategie des Bundes zur Armutsbekämpfung federführend.

 
 
 
 

Bundesamt für Gesundheit BAG

 
 

Sowohl Gewaltverhalten wie auch andere schädigende Verhaltensweisen können schwerwiegende gesundheitliche Folgen für die Opfer haben. Das BAG engagiert sich schweizweit mit diversen Massnahmen, die für die Gewaltprävention eine hohe Relevanz haben: Viele Gewaltvorfälle stehen im Zusammenhang mit einem problematischen Alkoholkonsum, dessen Reduktion im Fokus des Nationalen Programms Alkohol NPA steht.

 

Mit bildung+gesundheit Netzwerk Schweiz unterstützt das BAG die Entwicklung von Schulen zu gesundheitsfördernden und gesunden und damit auch gewaltfreien und sicheren Institutionen.

 

Schliesslich engagiert sich das BAG in Zusammenarbeit mit externen Partnern im Programm Früherkennung und Frühintervention. Mit fachlicher Weiterentwicklung, Tagungen und Broschüren soll das frühzeitige Wahrnehmen von Auffälligkeiten und problematischen Verhaltensweisen von Kindern und Jugendlichen sowie das Bereitstellen von unterstützenden Massnahmen für die als gefährdet erkannten Kinder und Jugendlichen gefördert werden.

 
 
 
 

Eidgenössische Alkoholverwaltung EAV

 
 

Hauptaufgabe der EAV ist die Regulierung des Marktes von alkoholischen Getränken (Steuern, Einschränkungen der Erhältlichkeit und von Werbemassnahmen). Die EAV trägt deshalb mit dem BAG das Nationale Programm Alkohol NPA und konzentriert ihre Tätigkeit im NPA auf fünf Kernziele:

  • Wirksamer Jugendschutz durch bessere Umsetzung der geltenden Vorschriften und namentlich die Einhaltung des Abgabealters (16/18)
  • Transparenz bei der Finanzierung der Alkoholprävention
  • Optimierung der Rechtsgrundlagen
  • Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Kantonen und Bund
  • Sensibilisierung der breiten Öffentlichkeit

Weitere Informationen finden Sie hier.

 
 
 
 

Fachstelle für Rassismusbekämpfung FRB

 
 

Die FRB befasst sich inhaltlich mit Fragestellungen rund um Rassismus, Extremismus und politisch motivierte Gewalt und unterstützt Projekte einerseits gegen Rassismus und andererseits für Menschenrechte. Viele der mitfinanzierten Projekte leisten einen Beitrag, um Konflikte und Gewalt auf Grund von rassistischer Diskriminierung unter Jugendlichen zu vermeiden – sei dies in den Schulen, in der ausserschulischen Jugendarbeit oder in Sportvereinen. Weitere Informationen finden Sie hier.

 
 
 
 

Eidg. Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann EBG

 
 

Häusliche Gewalt ist auch in der Schweiz ein verbreitetes, soziales Problem. Der Fachbereich Häusliche Gewalt des EBG konzentriert sich auf die Bekämpfung der Gewalt in Paarbeziehungen und Trennungssituationen. Bei der Prävention und Intervention wird - unabhängig vom Geschlecht - sowohl die Situation von Opfern als auch von Gewaltausübenden berücksichtigt.

 

Auch Jugendliche sind als Tatausübende und Opfer von Gewaltvorfällen in der Familie und in Paarbeziehungen betroffen. Das Informationsblatt 19 des EBG widmet sich konkret dem Thema «Gewalt in jugendlichen Paarbeziehungen».

 
 
 
 

Bundesamt für Statistik BfS

 
 

Das BfS publiziert regelmässig aktuelle Daten über Minderjährige, über die Entwicklung von jugendlichem Gewaltverhalten sowie Wiederholungstäter. Insbesondere stellt das BfS folgende Daten zur Verfügung:

  • Eine jährliche Aktualisierung der Jugendstrafurteilsstatistik (JUSUS), die alle Urteile enthält, die 10- bis 17-Jährige nach Jugendstrafrecht wegen einer Widerhandlung gegen das Strafgesetzbuch (StGB), das Betäubungsmittelgesetz (BetmG), das Bundesgesetz über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer (AuG) oder einem Vergehen gegen das Strassenverkehrsgesetz (SVG) ergingen.  
  • Daten über die Entwicklung einer neuen Statistik zum Jugendsanktionsvollzug (JUSAS).
  • Eine jährliche Aktualisierung der Statistik der Opferhilfe, die die Zahl der Opfer registriert, welche im Kalenderjahr eine Opferberatungsstelle aufsuchten.
  • Einen jährlichen, nationalen Bericht der polizeilichen Kriminalstatistik, die Auskunft gibt über Umfang und Struktur der von der Polizei registrierten Straftaten sowie über beschuldigte und geschädigte Personen (auch für ZGB, BetmG und AuG) .
 
 
 
 

Bundesamt für Justiz BJ

 
 

Das BJ hat im Auftrag des Eidg. Justiz- und Polizeidepartements (EJPD) 2008 einen Bericht zu Jugendgewalt erstellt sowie den vom Bundesrat im Januar 2010 verabschiedeten Bericht zur Bandenkriminalität erarbeitet. Ausserdem wurde eine externe Evaluation zur Wirksamkeit des revidierten und am 1. Januar 2007 in Kraft getretenen Jugendstrafgesetzes durchgeführt. Der entsprechende Schlussbericht wurde am 8. Mai 2012 fertiggestellt. 

Weiter ist das BJ im Rahmen von parlamentarischen Vorstössen immer wieder mit dem Thema Gewalt von Jugendlichen konfrontiert und arbeitet in verschiedenen Arbeitsgruppen mit dem BSV zusammen. Schliesslich unterstützt das BJ die Kantone jährlich mit Bau- und Betriebsbeiträgen für Einrichtungen im Straf- und Massnahmenvollzug sowie in der stationären Jugendhilfe. In diesem Zusammenhang werden auch Modellversuche unterstützt, die der Erprobung und Evaluation neuer Methoden und Konzeptionen dienen.

 
 
 
 

Bundesamt für Migration BFM

 
 

In Zusammenarbeit mit den Kantonen, Städten und Gemeinden hat der Bundesrat in den letzten Jahren eine Reihe von wichtigen Beschlüssen zur Weiterentwicklung der Schweizerischen Integrationspolitik getroffen und Massnahmen zur Integration und Förderung von Chancengleichheit lanciert. Im Rahmen des Massnahmenpakets Integration wurden zahlreiche Projekte im Bereich der frühen Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, Präventionsprojekte im Bereich häusliche Gewalt und zur Quartierentwicklung (Projets urbains) sowie in anderen für die Gewaltprävention wichtigen Themenbereiche gefördert.

 
 
 
 

Bundesamt für Polizei fedpol

 
 

Das fedpol hat das Thema Jugendgewalt in den letzten Jahren im Rahmen eines Berichts zu jugendlichen Intensivtätern sowie im Rahmen des vom Bundesrat im Mai 2010 verabschiedeten Berichts zu Cyberbullying bearbeitet. Das fedpol finanziert mit einem jährlichen Beitrag Projekte der Schweizerischen Kriminalprävention (SKP). Weiter gehört auch die Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (KOBIK) zum fedpol, welche im Bereich des Kinder- und Jugendschutzes wichtige Aufgaben übernimmt.

 
 
 
 

Bundesamt für Sport BASPO

 
 

Das Baspo engagiert sich in Zusammenarbeit mit Swiss Olympic bei verschiedenen Massnahmen zur Bekämpfung von Gewalt im Sport und bei Sportveranstaltungen. Dazu zählt die Mitwirkung bei der Entwicklung eines Rahmenkonzeptes für die Fanarbeit in Vereinen. Das Thema «Gewalt im Sport» wird auch im Rahmen von Lehrgängen und Kursen für Jugend+Sport-Leiter und -leiterinnen behandelt. Ausserdem werden Präventionsprogramme wie Cool and Clean unterstützt, die sich direkt an Jugendliche richten und auch das Thema Gewalt im Sport thematisieren.

 
 
 
 

Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI

 
 

Ein wichtiger Bezug zur Gewaltprävention besteht in der Berufsbildung vor allem hinsichtlich jener Massnahmen, die auf die Unterstützung und Integration von gefährdeten Jugendlichen zielen. Dazu zählen Brückenangebote als Vorbereitung auf die berufliche Grundbildung sowie die gemeinsam mit den Kantonen initiierte Case Management Berufsbildung. Case Management Berufsbildung ist ein strukturiertes Verfahren, um adäquate Massnahmen für Jugendliche sicher zu stellen, deren Einstieg in die Berufswelt stark gefährdet ist. Schliesslich bietet das Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung Weiterbildungskurse und Langzeitweiterbildungen für Berufsfachschullehrpersonen als integrative Fördermassnahmen an.

 
 
 
 

Interdepartementales Programm Projets urbains

 
 

Das Programm Projets urbains – Gesellschaftliche Integration in Wohngebieten wird von mehreren Bundesämtern gemeinsam umgesetzt. In Zusammenarbeit mit den betroffenen Kantonen unterstützt das Programm Städte und Agglomerationsgemeinden, die mit belasteten Wohngebieten zu tun haben. Modellhaft werden in ausgewählten Quartieren Strategien entwickelt und umgesetzt, die unterschiedliche Handlungsfelder in Betracht ziehen (Stadtplanung, Wohnen, Massnahmen im Sozialbereich, Vorbeugen von Ausgrenzung, etc.). Somit leistet das Programm auch aus Sicht der Gewaltprävention einen wichtigen Beitrag, um für Kinder und Jugendliche – mit deren Zusammenarbeit – ein besseres Wohnumfeld und Klima im Quartier zu schaffen.

 
 
 
 

Eidgenössische Kommission für Kinder- und Jugendfragen EKKJ

 
 

Die EKKJ begleitet als ausserparlamentarische Kommission für Kinder- und Jugendfragen die Arbeiten des Bundes im Bereich Gewaltprävention und hat verschiedene Berichte und Stellungnahmen zum Thema erarbeitet.

 
 
 
 

Eidgenössische Koordinationskommission für Familienfragen EKFF

 
 

Die EKFF begleitet als ausserparlamentarische Kommission für familienpolitische Fragen die Arbeiten des Bundes im Bereich Gewaltprävention. Dabei steht im Vordergrund, welche Präventions- und Unterstützungsmassnahmen im Bereich Familie wichtig sind. Link zur EKFF.